Mädesüß und Weidenrinde: Woher das Aspirin seinen Namen hat
Das Aspirin verdankt seinen Namen dem Mädesüß. Die Pflanze hieß früher botanisch Spiraea ulmaria, und aus ihren Blüten wurde 1835 Salicylsäure gewonnen, damals „Spirsäure“ genannt. Im Namen Aspirin steht das „A“ für Acetyl und das „spir“ für Spiraea. Die Weidenrinde ist die zweite Wurzel derselben Geschichte.
Das bekannteste Schmerzmittel der Welt hat also zwei Vorfahren, die an jedem Bach stehen.
Woher hat das Aspirin seinen Namen?
Von drei Bausteinen. Als die Firma Bayer 1899 einen Namen für die neue Acetylsalicylsäure suchte, setzte man ihn so zusammen:
- A für Acetyl, den chemischen Baustein, der angehängt wurde
- spir für Spiraea ulmaria, den damaligen botanischen Namen des Mädesüß, aus dem die „Spirsäure“ stammte
- in als damals übliche Endung für Arzneimittel
Heute heißt das Mädesüß botanisch Filipendula ulmaria. Im Namen Aspirin lebt der alte Name weiter.
Was hat die Weidenrinde damit zu tun?
Aus ihr wurde der Stoff zuerst gewonnen. Weidenrinde wurde schon in der Antike verwendet, Schriften, die Hippokrates zugeschrieben werden, erwähnen sie bereits. 1763 berichtete der englische Pfarrer Edward Stone der Royal Society von seinen Versuchen mit Weidenrinde.
Die eigentliche Chemie begann im 19. Jahrhundert:
- 1828 isolierte der Münchner Apotheker Johann Andreas Buchner aus Weidenrinde einen bitteren Stoff und nannte ihn Salicin, nach dem lateinischen salix für Weide.
- 1835 gewann der Schweizer Apotheker Johann Pagenstecher einen Stoff aus Mädesüß, den Karl Jacob Löwig zu Salicylsäure weiterverarbeitete.
- 1838 stellte der Italiener Raffaele Piria Salicylsäure aus Salicin her.
- 1853 erzeugte der Franzose Charles Gerhardt erstmals Acetylsalicylsäure, allerdings noch unrein.
- 1897 gelang bei Bayer die Herstellung in reiner Form, meist dem Chemiker Felix Hoffmann zugeschrieben.
- 1899 bekam der Wirkstoff den Namen Aspirin.
Woran erkennst du Mädesüß?
- Standort: feuchte Wiesen, Gräben, Bach- und Flussufer, oft in dichten Beständen.
- Wuchs: bis etwa anderthalb Meter hoch, mit kräftigem, oft rötlich überlaufenem Stängel.
- Blüten: cremeweiße, schäumende Blütenwolken von Juni bis August, mit süßlichem, mandel- bis honigartigem Duft.
- Blätter: unterbrochen gefiedert, mit großem, dreilappigem Endblättchen.
Vorsicht an feuchten Standorten: Dort wachsen auch giftige Doldenblütler wie der Wasserschierling. Mädesüß hat keine Dolden, sondern unregelmäßige Blütenrispen, und den typischen süßen Duft. Wie immer gilt: mehrere Merkmale prüfen, im Zweifel stehen lassen.
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Warum heißt es Mädesüß?
Wahrscheinlich, weil man damit Met und Bier süßte und würzte. Kelten und Germanen schätzten die duftende „Wiesenkönigin“. Andere Deutungen führen den Namen auf das Mähen der Wiesen zurück, auf denen sie wächst. Ganz geklärt ist das nicht.
In der Küche finden die Blüten bis heute Verwendung, etwa in Sirup, Gelee oder zum Aromatisieren von Desserts.
Woran erkennst du die Weide?
Silberweide und Purpurweide stehen an Flussufern, in Auwäldern und auf feuchten Wiesen. Typisch sind die schmalen, lanzettlichen Blätter und die biegsamen Zweige. Die Silberweide hat Blätter mit seidig-silbriger Unterseite.
Gesammelt wurde früher die Rinde junger, zwei- bis dreijähriger Zweige im Frühjahr. Wer das tut, nimmt nur einzelne Zweige und schält nie den Stamm.
Was du beachten musst
Mädesüß und Weidenrinde enthalten Salicylate, also Verwandte des Aspirin-Wirkstoffs. Wer auf Aspirin oder Salicylate allergisch reagiert, lässt sie weg. Bei Kindern mit Fieber und in der Schwangerschaft werden sie nicht verwendet.
Häufige Fragen
Ist im Mädesüß Aspirin?
Nein, nicht Aspirin selbst. Mädesüß enthält natürliche Salicylate, aus denen im 19. Jahrhundert Salicylsäure gewonnen wurde. Aspirin ist die später chemisch hergestellte Acetylsalicylsäure.
Wer hat das Aspirin erfunden?
Erstmals hergestellt hat Acetylsalicylsäure Charles Gerhardt 1853. In reiner Form gelang es 1897 bei Bayer, meist Felix Hoffmann zugeschrieben. Den Namen Aspirin bekam sie 1899.
Ist Mädesüß essbar?
Die Blüten werden traditionell in der Küche genutzt, etwa für Sirup oder zum Würzen von Met. Wer auf Salicylate empfindlich reagiert, meidet sie.
Wann blüht Mädesüß?
Von Juni bis August, an feuchten Standorten.

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Dieser Beitrag gibt überliefertes, volkskundliches und historisches Wissen wieder. Er dient der Bewahrung alten Kräuterwissens und ersetzt keine ärztliche oder fachkundige Beratung. Wildpflanzen bitte immer zweifelsfrei anhand mehrerer Merkmale bestimmen, im Zweifel stehen lassen.